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Das Zeichen des Widders

mit Zeichnungen von Baudoin

(Aufbau-Verlag, 2008, gb. 224 S.)

 

Roman

Aus dem Französischem von Julia Schoch

 

 

Inhalt:

Sommer in Paris. Grégoire und Vincent, zwei halbwüchsige Kleinkriminelle, klauen einem alten Mann die Tasche, deren Inhalt sie erschaudern lässt: vier Haarbüschel, ein Tierschädel, seltsame Bücher über Zauberei, eine Polizeimarke, ein Flakon mit einer dunkelbraunen Flüssigkeit, eine Filmdose mit Zahnsplittern und 30.000 Francs.

 

Am nächsten Morgen wird Vincent erstochen aufgefunden - auf seinem Körper das Mal eines roten Widderkopfes, das Adamsberg auf die Spur eines rituellen Serienmörders
setzt. Auch Grégoire schwebt in Gefahr, doch anstatt sich den Bullen anzuvertrauen, versteckt er die Tasche und schnüffelt ihrem Besitzer auf eigene Faust hinterher. Wann wird der "Widder" wieder zuschlagen?

 

Ein überaus origineller Kriminalfall in Vargas'scher Manier, mit dem außergewöhnlichen Pinselstrich des Comic-Meisters Baudoin.

Die schwarzen Wasser der Seine

(Aufbau-Verlag, 2007)

 

Roman

übersetzt von Julia Schoch

Die dritte Jungfrau

(Aufbau-Verlag, 2007)

 

Roman

übersetzt von Julia Schoch

Der vierzehnte Stein

(Aufbau-Verlag, 2005)

 

Roman

übersetzt von Julia Schoch

 

DIE ZEIT 14.04.2005 Nr.16

 

Wolkenschaufler und Adamsberg –

Fred Vargas: "Der vierzehnte Stein"

 

VON TOBIAS GOHLIS

 

Fred Vargas hat lange geschwankt, welcher Leidenschaft
sie nachgeben sollte, dem Akkordeon, das sie artistisch
beherrscht, oder dem Kriminalroman. Hätte sich die
48-jährige Französin für die Musik entschieden, wäre
nicht nur die Kriminalliteratur ärmer. Es gäbe auch
keinen Adamsberg.

 

Adamsberg ist eine schöne dunkle Seele. Man wundert sich, dass ihm nicht noch mehr Frauen nachlaufen. Wenn es gerecht zuginge in der Welt, schliefe er keine Nacht allein. Adamsberg ist Chef der Mordbrigade im 13. Pariser Arrondissement, heißt mit Vornamen Jean-Baptiste und stammt aus einem Dorf in den Pyrenäen. »Ich sehe Ideen«, sagt er, wenn seine Kollegen wieder einmal rätseln, warum der Mann in katatonisches Schweigen verfällt, während um ihn herum die Ermittlungen toben. Als er vor beinahe fünfzehn Jahren (in Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord) seine Arbeit als Kommissar aufnahm, kanzelte eine Vorgesetzte den Gebirgler ab: »Sie haben nichts bei der Polizei verloren. Die Polizei ist nicht der Wald.« Doch der »Wäldler« war es, der in stoischer Selbstgewissheit alle wirklich rätselhaften Morde aufklärte, mit einer Methode, die niemand verstand, auch er nicht. Einer hat mal versucht, Adamsberg zu beschreiben: »Du tust keinen Strich, du sitzt da, trödelst rum, träumst, betrachtest die Wände, kritzelst auf den Knien kleine Skizzen auf Zettel, als ob du die Weisheit gepachtet und das ganze Leben vor dir hättest, und dann kommst du eines Tages unbekümmert und freundlich an und sagst: Man sollte den Herrn Pfarrer verhaften, er hat den Kleinen erwürgt.«

 

Jetzt sitzt der Waldmensch, der Gebirgs-Adam, der scheinbar Unüberwindliche in der Klemme. Weil man in Québec besser mit Pipette und DNA-Screen umgehen kann als im alten Frankreich, ist Adamsberg mit einem Teil seiner Truppe zur Fortbildung in Kanada. Dort begegnet ihm Noëlla, eine junge Schöne aus Paris. Sie spricht von sich in der dritten Person und macht sich an den Bergmenschen heran, der, einsam, wie er ist, nicht widerstehen kann. Dann hat er einen Blackout, und das Mädchen liegt tot am Fluss. Mit drei Stichwunden im Unterleib, die exakt auf die gleiche Weise angeordnet sind wie in 13 anderen Fällen.

 

Zehntausend Meilen von zu Hause ist Adamsberg auf den Dämon seiner Familie gestoßen. Es ist ein kaltherziger, machtversessener Richter, den er verdächtigt, seit beinahe dreißig Jahren ausgesuchte Menschen mit einem Dreizack zu ermorden. Mit seiner staatlichen Macht und einigen Tricks ist es ihm bisher immer gelungen, einen anderen als Schuldigen zu präsentieren und selbst nicht einmal in Verdacht zu geraten. Nur Adamsberg, der als junger Polizist seinem als Dreizackmörder beschuldigten Bruder zur Flucht verhalf, glaubt, die Blutspur dieses henkenden Richters durch Raum und Zeit verfolgen zu können.

 

Doch nun muss er doppelt an sich zweifeln. Wenn er, was er nicht ausschließen kann, Noëlla selbst getötet hat, ist nicht nur er der Schuldige, sondern seine lebenslange Ermittlungsarbeit gegen den Richter Fulgence, die Rechtfertigung seiner Existenz als Polizist, erweist sich als Illusion. Adamsberg in der Krise: Der Fels bröckelt. Selbstzweifel nagt an ihm, zumal sich herausstellt, dass der Richter, sollte er überhaupt noch leben, hoch in den Achtzigern sein müsste und daher physisch kaum imstande, die Dreizackmorde zu begehen.

 

Doch im Augenblick der Verlassenheit scharen sich Kollegen wie der Rationalist Danglard und Violette Retancourt, »der kräftigste seiner Lieutenants«, mit ihrer Tonnenschwere schier unverrückbar, um ihn, sogar der verschollen geglaubte Bruder trägt zu Rettung und Aufklärung bei. Fred Vargas hat einmal erklärt, sie schreibe Buch um Buch, um etwas Unerreichtes zu suchen – die reine Musik der Erzählung. In Der vierzehnte Stein, ihrem elften Roman, ist sie diesem Ziel näher gekommen als je zuvor. Wie in einem Planetensystem folgen ihre Figuren ihrer persönlichen Gravitation, Tänzern gleich, die nach jahrelangem Training ihren Körperschwerpunkt in eine Fußspitze legen können. Man geht durch dieses Buch wie durch einen Märchenwald, in dem es hinter jedem Strauch vor Witz und Charme flimmert, begegnet den grotesken Sonderbarkeiten eines eigens erfundenen (und von Julia Schoch kongenial übersetzten) Québecquois, in dem Bullen »Coches« sind und Kumpel »Schumms« und Adamsberg ein »Wolkenschaufler«. Vor einem Jahr bekam Fred Vargas für Fliehe weit und schnell den Deutschen Krimipreis. Der neue Roman ist noch besser. Ihr ist es gelungen, Akkordeon und Sprache zu einem ganz eigenen, unerhörten Klang zu vereinen. Vargas schreibt die schönsten und spannendsten Krimis in Europa.

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