Logo Julia Schoch
KontaktImpressum
AktuellesBiografieBücherTexteWeitere MedienÜbersetzungen

„Kaliningrader Nacht“. Ein Hörspiel

 

Ursendung: 15. Januar 2008, 22:05 Uhr, SWR

Druckversion erhältlich als Rheinsberger Bogen Nr. 25

(über das Tucholsky-Museum Rheinsberg oder die Autorin)

„Friedlich und nach Feierabend! – Revolution in der Provinz“

Ein Radio-Feature (Ursendung: 1. 10. 2004/ Deutschlandfunk)

 

Autoren: Julia Schoch/Peter Ulrich Weiß

 

 

Pressetext:

 

Wie im Herbst 1989 die Wende in der DDR angeschoben wurde, wissen wir: Montagsdemonstrationen, schließlich Massenaufläufe in Leipzig oder Berlin machten der Regierung klar, daß man nicht so weiterleben wollte wie bisher. Dies alles ist längst und hinreichend dokumentiert.

 

Nicht aber, wie die Revolution aufs Land und die „kleinen Wenden“ in die Provinzstädte, dem Prototyp des trägen Lebens in der DDR, kamen. Hier, wo nachbarschaftliches Beobachten und Kontrollieren zum Alltag gehören und es heikler ist, sich auf irgendeinem Marktplatz zusammenzufinden, getraute man sich das Demonstrieren für mehr Freiheit und Demokratie erst sehr viel später als in den Metropolen. „Das Volk“ als Schöpfer der Revolte entpuppt sich dabei als eher spärliches Völkchen von mutigen Einzelpersonen. Auch bringt die kleinstädtische Mentalität ganz eigene Auswüchse revolutionären Treibens hervor. Das offenbaren neben besten Absichten zuweilen absurde Wahlslogans und skurrile Verhandlungsprotokolle.

 

Das Feature erzählt davon, wie eine „deutsche Revolution“ am Ende des 20 Jahrhunderts konkret auf dem Lande, dem ehemaligen Bezirk Cottbus, ablief und sich die großen Berliner Ziele im Kleinen verwandelten. Menschen, die nicht nur Zeugen der damaligen Ereignisse waren, sondern deren Gestalter, berichten von ersten konspirativen Treffen, heimlichen Schaukastendekorationen, Sabotage in Nachbars Garten...

 

Nirgends ist in Wendesituationen die Kluft von Anspruch und Verwirklichung so groß wie in der Provinz. Diese deutsche Tatsache reicht weit über das Jahr 1989 hinaus. Dem Wunsch des Kleinbürgers nach Veränderung und Auflösung steht gleichzeitig sein dauerndes Streben nach Stabilität im Weg. Deshalb kann man über den Blick in die Provinz zu einem klareren Urteil über die Wende kommen. Denn nirgends ist der Mensch und sein Verhältnis zu Chaos, Revolution und Stillstand so deutlich erkennbar wie auf dem überschaubaren Terrain einer Kleinstadt. Immerhin ist hier niemand geschützt in einer anonymen Demonstrationsmasse. Nur die nackte Absicht zählt, sich selbst als Macher zu begreifen und plötzlich etwas bewegen zu wollen. Eine Arbeit, immer auch gegen sich selbst.